Warum die Mehrwertsteuer den Kauf von Gebrauchtwaren unnötig erschwert
Einführung
Der Kauf von Gebrauchtwaren sollte eine einfache und günstige Möglichkeit sein, Abfall zu reduzieren – doch in den Niederlanden sehen sich Käufer von Secondhandläden oft mit einer unerwarteten Kostenfalle konfrontiert: der Mehrwertsteuer. Private Verkäufe von Privatperson zu Privatperson, beispielsweise über Plattformen wie Vinted oder Marktplaats, sind von der Mehrwertsteuer befreit. Gewerbliche Wiederverkäufer, darunter auch Secondhandläden, müssen jedoch Mehrwertsteuer berechnen – obwohl die Artikel bereits beim Erstverkauf besteuert wurden.
Es gibt einen Mechanismus zur Senkung dieser Kosten: die Differenzbesteuerung . Sie ermöglicht es, die Mehrwertsteuer nur auf die Gewinnspanne (die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis) anstatt auf den vollen Preis zu erheben. Dies gilt jedoch nur, wenn Waren von Lieferanten bezogen werden, die keine Mehrwertsteuer abgezogen haben, in der Regel private Verkäufer. Gebrauchtwarenläden, die auf Spenden angewiesen sind, können diese Regelung nicht nutzen; dort wird die Mehrwertsteuer auf den vollen Preis erhoben.
Herausforderungen für verschiedene Gebrauchtmodelle
Das spendenbasierte Geschäftsmodell von Gebrauchtwarenläden hält die Kosten zwar niedrig, doch der Verzicht auf die Differenzbesteuerung führt zu höheren Preisen für die Verbraucher. Kommissionsbasierte Läden und Läden mit gemischtem Geschäftsmodell hingegen stehen vor erheblichen administrativen Hürden. Jeder Artikel muss einzeln erfasst werden – sowohl zur Berechnung der Mehrwertsteuer nach der Differenzbesteuerung als auch, bei Kommissionsmodellen, zur Zuordnung von Verkäufen zu Einlieferern und zur Abwicklung der Auszahlungen. Läden mit gemischtem Geschäftsmodell, die sowohl Waren ankaufen als auch in Kommission nehmen, tragen eine Kombination dieser Belastungen.
Fazit: Wiederverkauf ist weder einfach noch günstig – weder für Unternehmen noch für Verbraucher. Diese strukturellen Komplexitäten machen die Wiederverwendung weniger attraktiv, selbst im Jahr 2025, wenn die Reduzierung von Textilabfällen dringlicher denn je ist.
Wie die EU-Margenregelung in ganz Europa funktioniert
Die EU-Mehrwertsteuerrichtlinie (Richtlinie 2006/112/EG des Rates) bietet einen gemeinsamen Rahmen für die Mehrwertsteuer auf Gebrauchtwaren, wird aber von Land zu Land etwas anders umgesetzt:
Deutschland, Frankreich, Belgien, Spanien und Schweden: Die Differenzbesteuerung gilt für Waren, die von Privatpersonen erworben werden. Spenden fallen jedoch in der Regel nicht unter diese Regelung.
Vereinigtes Königreich: Nach dem Brexit wird im Vereinigten Königreich die Mehrwertsteuer nur noch auf die Gewinnspanne von Waren erhoben, die von nicht mehrwertsteuerpflichtigen Verkäufern erworben wurden. Spenden werden weiterhin voll besteuert.
In all diesen Ländern gilt das gleiche Prinzip: Die Mehrwertsteuer wird nur einmal erhoben, und der Weiterverkauf auf Spendenbasis wird als neue steuerpflichtige Transaktion behandelt.
Warum Reformen wichtig sind
Das derzeitige System macht den Wiederverkauf unnötig kompliziert und teuer. Idealerweise wären alle gebrauchten Waren – ob gespendet, auf Kommission oder im Peer-to-Peer-Handel verkauft – von der Mehrwertsteuer befreit, da sie bereits beim Erstverkauf mehrwertsteuerpflichtig waren. Dies würde den Verwaltungsaufwand reduzieren, die Preise senken und die Wiederverwendung für Verbraucher – die eigentlichen Treiber einer Kreislaufwirtschaft – attraktiver machen.
Abschluss
Die Mehrwertsteuer auf Gebrauchtwaren verdeutlicht, wie Steuersysteme, die für eine lineare Wirtschaft konzipiert wurden, Schwierigkeiten haben, Kreislaufwirtschaftsmodelle zu integrieren. Zwar verhindert die EU-Margenbesteuerung in einigen Fällen eine Doppelbesteuerung, benachteiligt aber spendenbasierte und provisionsbasierte Wiederverkäufe. Eine Anpassung der Mehrwertsteuerregeln zur besseren Förderung der Wiederverwendung würde den Kreislaufkonsum einfacher, kostengünstiger und skalierbarer machen – zum Vorteil von Unternehmen und Verbrauchern und gleichzeitig zur Reduzierung von Textilabfällen.
Aufruf zum Handeln
Eine Kreislaufwirtschaft zu schaffen bedeutet mehr als nur Recycling oder Spenden – es geht darum, Wiederverwendung zugänglich und bezahlbar zu machen. Verbraucher, Unternehmen und politische Entscheidungsträger sind gleichermaßen gefordert. Durch eine Reform der Mehrwertsteuerbehandlung von Gebrauchtwaren können wir nachhaltige Entscheidungen für alle einfacher, intelligenter und gerechter gestalten.